Pustertal 07.05.2019

Neuschnee am 06. Mai bis hinunter ins Tal. Da habe ich alle Hebel in Bewegung gesetzt, um meine Termine zu verschieben - und es hat geklappt. Durch einen kleinen Trailrun einige Tage zuvor wusste ich, dass ab der Pustertaler Alm hervorragende Schneebedingungen vorherrschen, bis dorthin waren es jedoch 650 schneefreie Höhenmeter . Und so fasste ich den Entschluss, die Weitwanderung auf mich zu nehmen und mit Ski ins Pustertal zu gehen.
Um 6 Uhr, eigentlich eine halbe Stunde später als geplant, aber ich kam nicht aus dem Bett, ging es los. Es war bereits recht warm und ich hatte leichte Zweifel, ob es eine gute Idee ist. Aber ich marschierte einfach los. Bereits nach 200 Höhenmeter fand ich eine geschlossene Schneedecke auf dem Forstweg vor und ich wechselte auf die Ski. Bei jedem Schritt durfte ich erst einen Deckel durchtreten, um dann in pappigem Schnee zu laden. Das war jetzt nicht gerade das, was ich mir erhoffte. Jeder Schritt zehrte mehr als gewollt.
AB dem Abzweig vom Forstweg folgte ich dem Sommerweg nach oben, bog allerdings sehr bald schon auf den alten, nicht mehr gepflegten Pfad ab. Ein kurzer Verhauer kurz vor einer Bachquerung kostete nochmal extra Kraft und Nerven durch die Latschen hindurch, aber so sind die kleinen Abenteuer nunmal.
An der Alm legte ich den großen Rucksack ab, an dem ich Ski und Schuhe zum Tragen einfach besser befestigen kann als an dem leichten und minimalistischen Dynafit Rucksack. Ich habe mich für diese Variante entschlossen, da ich mir schon dachte, dass ich mittags von der Alm bis zum Forstweg hinunter besser die Ski trage. Schließlich mag ich sie und will sie nicht unnötig verkratzen. Die richtige Entscheidung.
Also wechselte ich den Rucksack und ging weiter. Zuerst in das Kar oberhalb des Hinteren Kopf. Mühsam ging es hinauf, die Sonne brannte auf den Rücken. Der Schnee war schon relativ schwer und ich war froh zu sehen, dass die Rinne noch komplett im Schatten lag. Bis zu Rinne waren es jedoch noch unzählige Spitzkehren, versuchte ich doch Abstand von den Felsen zu halten. Immer wieder bröselte hier schon etwas Schnee durch die Sonneneinstrahlung hinunter.
In der Rinne packte ich die Ski an den Rucksack und stapfte hinauf. Stapfen? Ich wühlte mich durch den hüfttiefen Schnee - Powder. Ein Traum. Anstregend. Am Ausstieg dann nochmal kurz die Ski an und bis zum Grat, der von der Hohen Kiste bis zum Zwölferkopf nach Norden zieht. Eine herrliche Aussicht ins Kistenkar und ins Murnauer Moos, in dem der Frühling bereits Einzug hielt.
Ein kurzer Schneedeckentest bestätigte meine Vermutung: Problemlos konnte ich ein 30cm hohes Schneebrett abtreten, welches im Laufe seines Weges sehr umfangreiche Dimensionen annahm. Ich fuhr also bis zur Rinne in der Abrutschspur ab. Die Rinne selbst war dann einfach nur ein breites Grinsen über das ganze Gesicht und ich fuhr bis zum Hinteren Kopf hinunter. Auch der bereits schwerere Schnee war noch richtig gut zu fahren - und so ging ich einfach nochmal hoch. Hilft ja nix. Wenigstens war die Skispur noch vorhanden. Meine Stapfspur habe ich beim Runterfahren wieder zugeschüttet. Also ein zweites Mal Maulwurf spielen und nach oben. Diesmal nur bis zum Ende Rinne. Nach etwa der Hälfte wechselte ich in die Rinne nebenan und konnte so direkt noch eine Zweite, Neue, befahren. Ich fuhr bis zum Sommerweg, der zur Hohen Kiste führt.
Ich schaute auf die Uhrzeit und die Höhenmeter. Mein Ziel waren entweder 2000 Höhenmeter oder um 12 Uhr an der Alm wieder unten zu sein. Ich hatte für beide Fälle noch Luft. 400 Höhenmeter fehlten noch. Also wieder die Felle an die Ski und dem Sommerweg Richtung Hohe Kiste folgend nach oben. Nach einer kurzen steilen Engstelle weitet sich das Gelände nochmals, und ich bog vom Wanderweg aus gesehen nach rechts in eine weitere Rinne ab. Da hier die Sonne schon seit den frühen Morgenstunden hinein schien, musste ich meine Aufstiegspur sehr weise wählen, denn auch hier war die Schneebrettgefahr gegeben. Ich kam ohne Zwischenfälle hinauf. 
In der Abfahrt hielt ich mich in dem wenigen schattigen Bereich, konnte aber so auch hier noch Pulver erwischen. Am Ende der Rinne querte ich allerdings direkt unter die Felsen und trat auch hier erst einmal das Schneebrett los. Ein leichtes bei der Neigung. Und wieder fuhr ich in der Abrutschspur  hinunter, bis das Gelände flacher wurde. Dieser Rutsch wurde nach unten hin wirklich groß (viertletztes Bild). Nun war es nur noch Genusswedeln bis zur Alm hinunter.
Es war etwa 11:45 Uhr, ich setzte mich gerade auf die Bank, als es krachte und eine große Lawinen aus den Felsen in das Kar hinunter rutschte. Meine Spuren waren ein gutes Stück davon entfernt, allerdings war meine Gedanke, früh an der Alm zu sein, der Richtige. Ich schulterte den großen Rucksack mit den Ski und stapfte mit den Skischuhen den Sommerweg  hinunter zum Forstweg. Meine Hoffnung, den Forstweg noch ein gutes Stück hinunter fahren zu können, wurde wahr und so konnte ich fast bis zum morgendlichen Skianschnallplatz fahren. Somit waren es dann 20 Kilometer, 2000 Höhenmeter, 200 Höhenmeter Ski hinauf und 350 Höhenmeter hinunter tragen. Und das am 07. Mai vom Garten aus...einfach genial! Und es war keine Menschenseele außer mir unterwegs...
Pustertaler Kar 07.05.2019
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